Bei Gas fällt die Entscheidung auf der Sternenkarte, nicht im Fitting-Fenster. Das Modul ist überall dasselbe, die Fregatte auch, und trotzdem hängt allein am Sicherheitsstatus des Systems, ob du Rohstoff für milde Aufputschmittel erntest oder für Tech-3-Kreuzer.
Deshalb lässt sich „lohnt sich Gas?“ nicht beantworten, solange nicht feststeht, wo du wohnst. Wer aus dem Highsec heraus Gas als Einkommensquelle plant, hat die unterste Stufe der Kette erwischt und wird das merken. Wer in einem Sov-Gebiet sitzt, hat die vermutlich beste Variante in Reichweite und meistens nie nachgesehen. Und wer im Wurmloch lebt, hat die wertvollste Sorte direkt vor der Tür, aber eine Uhr dazu.
Eine Sache vorweg, damit die Frage nicht den ganzen Text begleitet: Du bleibst in der Venture. Der Grund dafür ist unangenehmer, als er klingt.
Zwei Module, die nichts miteinander zu tun haben
Gas-Ernte läuft über zwei getrennte Modulfamilien, und sie bilden keine gemeinsame Leiter.
Der Gas Cloud Harvester I zieht 50 m³ pro Zyklus, braucht dafür 100 Sekunden und reicht 1.500 Meter weit. Die T2-Version verdoppelt die Menge pro Zyklus und halbiert gleichzeitig die Zykluszeit, kommt also pro Zeiteinheit auf ungefähr den vierfachen Durchsatz. Das sieht nach dem üblichen Aufrüstungspfad aus, bis man die Fitting-Beschränkung liest: Harvester I und II passen ausschließlich auf Mining Barges und Exhumer. Und genau diese Schiffe haben keinen Gas-Rollenbonus. Der 100-Prozent-Bonus von Venture und Prospect klebt am kleinen Gas Cloud Scoop, nicht am Harvester.
Der Scoop wiederum passt in jeden freien Turm-Hardpoint, theoretisch also auch auf einen Kampfkreuzer mit leerem Hoch-Slot. Nur liefert er dort die nackte Grundleistung ohne den Zyklus- und Ausbeutebonus, den nur die beiden Mining-Fregatten mitbringen.
Der Wechsel auf ein größeres Schiff ist bei Gas also kein Upgrade wie beim Erz, sondern ein Tausch: stärkeres Modul gegen den Bonus, der die Fregatte überhaupt konkurrenzfähig macht. Dazu kommt die Reichweite. 1.500 Meter sind extrem wenig, verglichen mit dem, was Strip Miner überbrücken. Die Wolken sind zwar groß und nicht kollisionsfähig, du fliegst also mitten hinein statt drumherum, aber das Ergebnis ist dasselbe: Du stehst still an einem festen Punkt, den jeder Directional Scan kennt, in einer Hülle, die sich erst mal ausrichten muss. Eine Retriever würde ich nur dort in einen Gasnebel stellen, wo ich sie auch in ein Erzfeld stellen würde. Im Wurmloch heißt das: nie.
Bei Gas kannst du dich nicht reicher fitten
Für Gas-Ernte gibt es keine Yield-Module und keine Rigs. Keine. Was beim Erz über Upgrades, Kristalle und Rigs an Ausbeute dazukommt, existiert hier schlicht nicht, es wirken nur Skills, Implantate und Mining-Foreman-Bursts aus einer Flotte.
Das ist gleichzeitig die beste und die unbequemste Eigenschaft der Aktivität. Gut: Der Einstieg kostet fast nichts, das Fitting ist in wenigen Handgriffen erledigt, und der Skill Gas Cloud Harvesting braucht nur Mining IV und ist für Alpha-Klone bis Stufe II trainierbar. Es gibt kaum eine Tätigkeit in EVE, die einen Alpha-Account so direkt an einen echten Industrie-Rohstoff heranlässt. Unbequem: Gas skaliert nicht über ISK. Du kannst dir keinen besseren Abend kaufen. Der einzige Hebel nach oben sind mehr Piloten in derselben Wolke, was die Grundrechnung beim Mining in EVE Online noch mal verschärft, statt sie zu entspannen.
Ein struktureller Unterschied fällt erst auf, wenn man beides gemacht hat: Gas kennt keine kritischen Treffer. Es gibt keinen Zufallsausschlag nach oben, der Ertrag pro Zyklus steht fest. Dafür gibt es einen nach unten. Bei instabilen Wolken besteht am Ende jedes Zyklus die Chance, dass die Wolke explodiert und dem Schiff Schaden zufügt. Kein Modul verhindert das. Ein bisschen Puffer im Tank fängt es ab, und das ist auch schon die ganze Gegenmaßnahme.
Mykoserocin ist ein Übungsplatz, keine Einnahmequelle
Mykoserocin liegt in Highsec und Lowsec, in offenen Arealen außerhalb von Deadspace, ohne NPC-Bewachung. Kein Rat, keine Sleeper, keine Uhr. Für die erste Gas-Session ist das genau richtig, weil du dich auf die Mechanik konzentrieren kannst statt auf den Rückweg.
Der Haken steckt am anderen Ende der Kette. Mykoserocin wird zu Synth-Boostern verarbeitet, der mildesten und am wenigsten wertvollen Stufe. Die zugehörige Reaktion braucht neben dem Gas ein zweites Material, und das heißt im Spiel wörtlich Garbage. Erst die höheren Güteklassen arbeiten mit Wasser, Spirituosen oder Sauerstoff und Salzsäure. Man kann die Rangordnung kaum deutlicher in die Materialliste schreiben.
Dazu kommt, wo verarbeitet wird. Combat-Booster entstehen über Simple Biochemical Reactions an einem Standup Biochemical Reactor I, einem Service-Modul, das in eine Refinery eingebaut wird und sich nur bei Sicherheitsstatus 0.4 oder darunter installieren lässt. Highsec-Gas bedeutet damit: Du erntest in sicherem Raum für eine Produktion, die dort per Definition nicht stattfinden darf. Du lieferst Rohstoff an fremde Fabriken und stehst am unteren Ende der Wertschöpfung. Als Nebenbei-Tätigkeit ist das in Ordnung. Als Einkommensplan nicht.
Der Respawn ist das eigentliche Argument fürs Null
Cytoserocin kommt in Lowsec und Nullsec vor, mit klarem Schwerpunkt im Null, und geht in die potenteren Nicht-Synth-Booster. Die höhere Wertstufe ist aber nicht der interessante Teil.
Der interessante Teil ist die Verlässlichkeit. In den festen Hotspot-Konstellationen im Nullsec respawnt eine abgeerntete Cytoserocin-Site am selben Ort wieder. Vereinzelte Sites, die irgendwo in Low- oder Nullsec herumliegen, tun das nicht zuverlässig. Das ist der Unterschied zwischen einer planbaren Aktivität und einem Zufallsfund, und er entscheidet, ob Gas für eine Corp überhaupt organisierbar ist. Eine Hotspot-Konstellation ist ein Betriebsstandort: feste Route, wiederkehrende Sites, mehrere Piloten in derselben Wolke, Kompression auf ein Zehntel des Volumens für den Rückweg.
Bezahlt wird das mit Instabilität. Der Großteil der Cytoserocin-Wolken gilt als instabil, das Explosionsrisiko am Zyklusende ist hier also Regel statt Ausnahme. Und der Raum bleibt, was er ist: Im Nullsec siehst du zwar jeden im Local, die Konsequenz daraus musst du aber selbst organisieren.
Wenn deine Corp im Sov sitzt und noch nie jemand nachgesehen hat, ob eine Cytoserocin-Konstellation in Sprungreichweite liegt: nachsehen. Das ist die kürzeste Strecke von „Gas ist eine Nische“ zu „Gas ist Fleet-Content“.
Im Wurmloch läuft eine Uhr mit
Fullerite gibt es ausschließlich im Wurmlochraum, und zwar in Sites aller Klassen. Die wertvollsten Varianten, Instrumental und Vital Core Reservoir, spawnen allerdings nur in Klasse 5 und 6 oder in shattered Wurmlöchern beliebiger Klasse. Dieses Gas führt über Hybrid Polymers zu Hybrid Tech Components und damit in die Tech-3-Schiffsproduktion, deren Rohstoffe komplett aus dem Wurmlochraum stammen.
Der Ablauf ist immer derselbe. Beim Einwarpen ist die Site unbewacht. Nach etwa 15 bis 20 Minuten spawnen mehrere Sleeper und greifen an. Daraus hat sich Ninja-Harvesting als Standardvorgehen entwickelt: rein, ernten, vor dem Spawn wieder raus, nicht kämpfen.
Diese 15 Minuten sind nicht das Problem. Sie sind sogar ziemlich großzügig für eine Fregatte mit zwei Modulen. Das Problem ist alles davor und danach: das Loch finden, die Signaturen scannen, ein System einschätzen, in dem niemand im Local steht, solange er nicht schreibt, und am Ende ein Rückweg über eine Verbindung mit Massenlimit, die kollabieren kann, während du unterwegs bist. Das Gas selbst komprimiert auf zehn Prozent seines Volumens, der Transport ist also der leichteste Teil der Übung. Die offene Frage ist, ob das Loch beim Rückweg noch existiert.
Wer im Wurmloch wohnt, für den ist Fullerite reguläres Einkommen und die Uhr eine Randnotiz. Wer aus dem Highsec mal eben in ein C3 hüpfen will, weil er gelesen hat, dass Fullerite das wertvollste Gas ist, zahlt sein Lehrgeld nicht an den Sleepern, sondern an der Rückfahrt.
Was ich an deiner Stelle machen würde
- Neu oder Alpha, Highsec-Heimat: Venture mit Scoop, eine Mykoserocin-Wolke, ein Abend. Reine Standortbestimmung, ob dir die Tätigkeit liegt. Nicht als Einkommen einplanen.
- Corp im Nullsec: Cytoserocin-Hotspots in Reichweite suchen und daraus eine wiederkehrende Fleet-Aktivität machen. Das ist die Variante mit dem besten Verhältnis aus Wertstufe, Planbarkeit und geteiltem Risiko.
- Wurmloch-Bewohner: Fullerite, ohne Diskussion. Zwei getrennte Abnehmerketten, T3-Produktion und Booster, sorgen dafür, dass Gas insgesamt kein totes Nischenprodukt ist, und die T3-Seite ist die stärkere davon.
- Solo im Highsec mit Einkommensziel: Gas ist nicht dein Weg. Die Verarbeitung ist an 0.4 und darunter gebunden, und dieser Umstand geht nicht weg, weil du fleißig bist.
Bevor du das nächste Mal einwarpst, leg fest, wohin du wieder abwarpst. Bei Mykoserocin im Highsec ist das eine Formalie. Im Wurmloch entscheidet es darüber, ob am Ende der Session eine volle Fregatte im Hangar steht oder ein Killmail auf einer fremden Seite.