„Der ist okay, gib ihm Director.“ So entstehen in EVE die meisten Zugriffsrechte, und deshalb ist Director die am häufigsten falsch vergebene Rolle im Spiel.
Was in diesem Moment tatsächlich den Besitzer wechselt, steht in keiner Beförderungsansage: Director schließt jede andere Rolle automatisch mit ein. Alle Hangar-Divisions, alle Wallet-Divisions, das vollständige Transaktionsjournal, dazu das Recht, jede Rolle außer Director an beliebige Mitglieder weiterzureichen. Wieder wegnehmen kann sie nur der CEO. Ein Häkchen, und die Corp ist offen.
Meine Empfehlung klingt nach Misstrauen und ist keines: Vergib Zugriff entlang der Aufgabe, die jemand übernimmt. Sympathie, Dienstalter und Freundschaft gehören nicht in die Rechnung, weil sie keine einzige Frage beantworten, die das Rollenfenster stellt. Das Fenster will wissen, was jemand tun soll. Nicht, wie gern du ihn hast.
Warum Director fast nie die richtige Antwort ist
Director ist als Stellvertretung des CEO gebaut, nicht als Abzeichen für verdiente Mitglieder. Wer sie trägt, kann die Zugriffsstruktur der Corp umbauen, ohne dass irgendwer davon erfährt. Drei Directors sind drei Leute, die Rollen verteilen dürfen. Fünf sind fünf.
Das ist selten Absicht. Es passiert, weil im Rollenfenster eine konkrete Aufgabe gesucht wird und niemand Lust hat, nachzusehen, welche Fachrolle sie abdeckt. Recruiting läuft über Personnel Manager: Beitrittsanträge annehmen, Medaillen vergeben, fertig. Wer die Bücher führt, braucht die Accountant-Familie. Wer Strukturen einstellt, braucht Station Manager. Für praktisch jede wiederkehrende Corp-Aufgabe existiert ein Zuschnitt, der kleiner ist als „alles“.
Ein zweiter Director ist trotzdem sinnvoll, aber aus einem anderen Grund: als Ausfallschutz. Wenn der CEO zwei Wochen im Urlaub ist und die Office-Rechnung fällig wird, hilft dir kein Vertrauensbeweis, sondern jemand mit Zugriff. Das ist eine Betriebsentscheidung mit Begründung. „Er ist schon lange dabei“ ist keine.
Sieben Fächer, drei Stufen
Der eigentliche Werkzeugkasten liegt eine Ebene tiefer, und die meisten Corps benutzen ihn nie. Eine Corp führt bis zu sieben Hangar-Divisions pro Office. Für jede einzelne davon gibt es drei Zugriffsstufen, die unabhängig voneinander vergeben werden: Query heißt ansehen ohne entnehmen. Take heißt Gegenstände rausnehmen und Container im Hangar öffnen. Container Take heißt, ganze Container mitzunehmen und Container-Passwörter anzufragen. Bei den Wallets läuft es genauso einzeln, Division für Division, sieben Stück inklusive Master Wallet, alle bis auf die Master frei benennbar.
Daraus folgt eine Bauanleitung: Benenne die Divisions nach Aufgaben, nicht nach Rängen. Eine Division für Doctrine-Ersatzschiffe, Take für die Leute, die Flotten ausrüsten. Eine für Fleet-Beute, Query für alle, Take für zwei. Eine für Logistik-Container, dort Container Take, weil es dort um ganze Kisten geht.
Query ohne Take ist die am meisten unterschätzte Kombination im ganzen System. Sie kostet nichts, sie riskiert nichts, und sie beendet die Sorte Gerücht, die Corps von innen auffrisst: Jeder sieht, was da liegt. Rausnehmen kann es niemand. Transparenz und Zugriff sind zwei verschiedene Regler, und wer sie als einen behandelt, vergibt entweder zu viel oder zu wenig.
Reinschauen ist nicht dasselbe wie ausgeben
Bei den Finanzen zeigt sich am deutlichsten, wie fein das System eigentlich denkt. Junior Accountant sieht die Kontostände aller Wallet-Divisions und die offenen Rechnungen. Sonst nichts. Keine Transaktionshistorie, keine Zahlungen. Erst die volle Accountant-Rolle öffnet das Wallet-Journal, also wer wann was bewegt hat, und erlaubt das Begleichen von Rechnungen.
Junior Accountant würde ich breit vergeben, in kleinen Corps notfalls an jeden. Er ist die billigste Antwort auf die Frage „wo geht unsere Steuer eigentlich hin“, die früher oder später sowieso gestellt wird. Meistens im falschen Ton, oft im Discord und selten direkt an den CEO. Ein Kontostand, den jeder selbst nachsehen kann, nimmt dieser Frage die Luft raus, und genau an solchen Details merkst du beim Corp finden, ob sie dich trägt oder nur verwaltet.
Die volle Accountant-Rolle bekommt, wer tatsächlich Rechnungen bezahlt. Sie ist gleichzeitig das Prüfwerkzeug der Corp, denn das Journal ist die einzige Stelle, an der Bewegungen nachvollziehbar bleiben. Jeder Director hat diesen Zugriff automatisch, ohne dass ihn jemand bewusst vergeben hat. Noch ein Grund, mit der Rolle zu geizen.
Grantable Roles, die Stufe, die kaum jemand benutzt
Jede Rolle außer CEO und Director lässt sich zusätzlich als Grantable Role vergeben. Wer sie so bekommt, hat die Rolle selbst nicht. Er darf sie nur an andere verteilen.
Das ist der elegante Teil des Systems, und er liegt fast überall brach. Dein Recruiter braucht Personnel Manager, um Anträge anzunehmen, auch wenn das der kleinste Teil seiner Arbeit ist und im Gespräch entschieden wird. Soll er neue Mitglieder gleich mit den Einstiegs-Rollen versorgen, gibst du ihm diese Rollen als Grantable dazu. Er verteilt sie, ohne sie selbst zu besitzen, und das Onboarding läuft ohne dich. Genau dafür setzen die meisten Corps stattdessen einen weiteren Director ein.
Strukturen hören nicht auf deine Corp-Rollen
Bei Upwell-Structures greift ein zweites, eigenes System: Access Lists mit vier Stufen. Admin bearbeitet und löscht die Liste und vergibt alle Rollen. Manager darf Einträge auf Member- oder Blocked-Ebene hinzufügen und entfernen, aber keine Admins oder Manager verwalten. Member bekommt nur das zugewiesene Recht und sieht die Liste selbst nicht einmal. Einzelne Charaktere können jede dieser Stufen erhalten, ganze Corporations und Allianzen dagegen nur Member oder Blocked.
Dieselben Listen sind auch die Freundesliste deiner Citadel. Befreundete Allianzen, die andocken dürfen, trägst du dort ein, neben einzelnen Spielern oder gleich „everyone“. Eine gesonderte Diplomatie-Funktion gibt es nicht. Im Nullsec ist das nur die technische Seite von etwas, das anderswo entschieden wird, wer dort blau ist, legt die Führung fest, hier wird es nur noch eingetragen. Praktisch heißt das: Wer eure Docking-Rechte pflegt, braucht Manager auf der richtigen Access List und keine einzige Corp-Rolle dafür.
Fuel ist der Fall, an dem sich die Sache spaltet. Bei alten Starbases gibt es dafür eine eigene Rolle: Starbase Fuel Technician darf den Fuel-Stand prüfen und nachfüllen, aber nichts entnehmen. Sauberer geht ein Zuschnitt nicht. Bei Upwell-Structures existiert diese Rolle nicht mehr, dort regelt das Structure-Profil den Zugriff auf Fuel-, Fighter- und Ammo-Bays. Und das Profil bearbeiten dürfen nur Station Manager, Director oder der CEO.
Der Kompromiss gehört ehrlich benannt: Wer bei Citadels das Betanken delegieren will, stellt entweder das Profil einmal sauber ein und lässt danach niemanden mehr an die Einstellungen, oder er hängt Station Manager an jemanden, der eigentlich nur Fuel schieben soll. Ich stelle das Profil lieber einmal richtig ein und halte die Zahl der Station Manager klein. Nachschieben kann danach jeder, der über die Access List reinkommt.
Was dein Auth-System davon sieht
Auf der Werkzeugseite ändert sich an dieser Rangordnung nichts, auch wenn viele das anders erwarten. Das ESI-Scope für Corp-Rollen liest lediglich aus, welche Rollen ein Charakter ingame hat. Es vergibt keine. Und der Endpunkt für das Wallet-Journal einer Division verlangt serverseitig exakt dieselbe Rolle, die auch im Client nötig wäre, also Accountant oder Junior Accountant.
Ein Tool sieht damit nie mehr als der Charakter selbst dürfte. Web-Auth und Ingame-Rechte sind zwei getrennte Systeme, die man weder im Kopf noch in der Corp-Dokumentation vermischen sollte. Der Hebel liegt im Rollenfenster. Wer dort großzügig war, repariert das später mit keinem Auth-Setup.
Der Test, bevor du das Häkchen setzt
Formuliere die Aufgabe in einem Satz, ohne einen Namen darin zu nennen. „Rüstet Flotten aus dem Ersatzteil-Hangar aus“ ist eine Aufgabe. „Ist zuverlässig“ ist ein Gefühl. Steht kein Satz da, gibt es auch keine Rolle.
Und der zweite Teil, den fast alle vergessen: Rollen laufen nicht ab. Wer das Recruiting abgibt, behält Personnel Manager, bis jemand ihn wegnimmt. Wer nach der Umstrukturierung keine Fleet mehr ausrüstet, hat weiter Take auf die Division. Setz dir einmal im Quartal zwanzig Minuten an, geh die Mitgliederliste durch und streiche alles, wofür heute keine Aufgabe mehr existiert. Das ist der unspektakulärste Termin im Corp-Kalender und der einzige, der verhindert, dass eure Rechtestruktur irgendwann nur noch aus Altlasten besteht. Wer gerade erst dabei ist, eine Corp zu gründen, richtet die Divisions besser vorher ein. Nachträglich sortieren dauert länger als einmal vorher nachdenken.