DISCORD
eve-online 03.08.2026 · 6 MIN LESEZEIT · Von Tonic

Ansiblex Capacitor Update: Was Fenris‘ Entwurf für eure Nullsec-Logistik bedeutet

Vier Rorqual-Sprünge, dann kommt keiner mehr durch. 110 TJ bleiben im Tor übrig, zu wenig für den fünften, und nachgeladen wird mit rund 200 TJ pro Stunde. So sieht der Ansiblex aus, den Fenris Creations (vormals CCP) im Devblog Ende Juli vorgestellt hat, und bevor jemand sein Netz umbaut: Das ist ein Design-Entwurf fürs September Major Update, nichts davon ist live, und Fenris schreibt selbst dazu, dass sich die Zahlen mit der Implementierung und mit Feedback noch ändern können. Alles Folgende ist also der Stand eines Vorschlags, kein Patch.

Trotzdem lohnt das Nachrechnen jetzt. Nicht wegen der Sprungkosten, sondern wegen einer Zeile ganz am Ende des Devblogs, die deutlich mehr Ärger machen wird als der Kapazitor selbst.

Das Ansiblex Capacitor Update bringt einen Cap, und der ist das Nadelöhr

Geplant sind 1.250 TJ Gesamtkapazität pro Ansiblex. Jeder Sprung zieht davon ab. Nachgeladen wird mit rund 200 TJ pro Stunde im Schnitt, aus komplett leerem Zustand dauert das Auffüllen etwa 6,25 Stunden. Das Ladeverhalten soll nicht-linear sein, genau wie beim Schiffs-Kapazitor: in der Mitte am schnellsten, nahe leer und nahe voll spürbar langsamer.

Das letzte Detail ist das gemeine. Ein Ansiblex, den ihr gerade trockengefahren habt, lädt am langsamsten, also genau dann, wenn ihr ihn am dringendsten braucht. Wer nach einer Fleet-Bewegung sofort die zweite Welle hinterherschieben will, wartet.

Beeinflussen lässt sich das zum Release nicht: weder Remote Cap Transfer noch Neutralizer sollen auf den Ansiblex-Kapazitor wirken. Klingt nach fehlendem Feature, ist aber die richtige Entscheidung. Wäre der Cap neutralisierbar, könnten zwei Schiffe mit den passenden Modulen ein komplettes Allianz-Netz stilllegen, ohne dass irgendjemand einen Schuss abgibt. Der Preis dafür: Ihr könnt ihn umgekehrt auch nicht mit Logi wieder hochpumpen, wenn es eilig ist. Der Cap ist eine Uhr, keine Rechnung, die man mit ISK oder mit Manpower begleichen kann.

Was ein Sprung kosten soll

Die Kosten hängen an zwei Dingen: an der Schiffsklasse und daran, wie weit das Ziel vom Kapitalsystem eurer Allianz entfernt liegt. Die Entfernung zwischen den beiden Ansiblexes selbst ist egal.

| Zone | Entfernung vom Kapitalsystem | Multiplikator |

|—|—|—|

| 1 | 0–5 LJ | ×0 |

| 2 | 5,1–10 LJ | ×2 |

| 3 | 10,1–15 LJ | ×6 |

| 4 | 15,1–20 LJ | ×9 |

| 5 | ab 20,1 LJ | ×15 |

Die Basiswerte steigen mit der Hüllengröße: Capsule, Shuttle, Hauler, Freighter und Mining Barge liegen bei 1 TJ, Frigate bei 4, Covert Ops bei 5, Destroyer bei 6, Cruiser bei 10, Strategic Cruiser bei 13, Battleship bei 16,5, Black Ops bei 18, Marauder und Rorqual bei 19.

Für die tatsächlichen Kosten lest ihr den Tabellenwert ab, statt selbst zu multiplizieren. Die Formel ist eine grobe Orientierung, die Tabelle ist der Richtwert, die Rorqual ist das Beispiel dafür, warum: Ihre Zeile läuft über die fünf Zonen mit 19, 57, 104,5, 171 und 285 TJ und folgt damit einer eigenen Kurve, nicht dem simplen Multiplikator der anderen Klassen. Sonderfall, keine Fehlerzeile. Wer rechnet statt abliest, plant seine Cap-Reserve falsch.

Fenris‘ eigene Beispiele geben die Größenordnung: Eine Tengu, die von Zone 2 in einen Ansiblex in Zone 3 springt, kostet den Ausgangspunkt 78 TJ. Eine Redeemer von Zone 5 nach Zone 4 kostet 162 TJ.

Rechnet das gegen die 1.250 TJ, und ihr habt die eigentliche Aussage des Updates:

  • rund 16 Tengu-Sprünge nach Zone 3, dann ist das Tor leer
  • sieben Redeemer-Sprünge nach Zone 4
  • vier Rorqual-Sprünge nach Zone 5, und ein einziger davon entspricht knapp anderthalb Stunden Nachladezeit

Eine Doctrine-Fleet aus Strategic Cruisern passt also noch durch ein Tor, wenn das Ziel in Zone 3 liegt. Zwei nicht. Und eine Mining-Op, die vier Rorquals weit nach draußen schiebt, hat den Ansiblex für den Rest des Abends verbraucht.

Zone 1 bleibt gratis, und das ist der Kern des Designs

Sprünge in einen Ansiblex innerhalb von Zone 1 kosten null, für alle berechtigten Schiffe. In der Zone-1-Spalte der offiziellen Tabelle stehen zwar Zahlen, aber das sind die Basiswerte, an denen Fenris später drehen kann, kein Preis, den heute jemand zahlt.

Damit ist auch klar, in welche Richtung das Ganze zieht. Eine Epithal, die von Zone 2 nach Zone 1 springt, zahlt 0 TJ, weil sich die Zone am Ziel bemisst. Nach innen fahren ist umsonst. Nach außen fahren kostet, und zwar dort, wo ihr ohnehin am wenigsten Infrastruktur habt. Fenris formuliert das Ziel offen: mehr logistischer Druck auf alles, was weit vom Machtzentrum der Allianz entfernt operiert.

Für den Alltag heißt das: Der Nachschub raus zum Staging kostet Kapazitor, der Rückweg mit der Beute ist gratis. Ratting-Alt zurück in den Heimatsystem-Ring: umsonst. Die Fleet zum Außenposten in Zone 4: die teuerste Bewegung, die eure Allianz regelmäßig macht. Noch ein Posten auf der Rechnung, was der Umzug ins Nullsec wirklich kostet.

Die 90 Tage sind die eigentliche Nachricht

Der Kapazitor lässt sich umgehen. Nicht mit Modulen, sondern mit dem Kartenblick: Wer sein Kapitalsystem verlegt, verschiebt alle Zonen mit. Ein Krieg 25 Lichtjahre weiter westlich wird billig, wenn man kurz vorher das Zentrum verlegt.

Genau das will Fenris zumachen. Der Cooldown für den Wechsel des Sov-Kapitalsystems soll auf 90 Tage steigen, offiziell um strategisches Commitment zu fördern und Capital Swapping zu verhindern. Das ist die Änderung mit der längsten Halbwertszeit im ganzen Devblog. Ein Kapazitor ist ein Ressourcenproblem, das man mit Timing und Disziplin löst. Ein Vierteljahr Sperrfrist ist eine strategische Festlegung: Wo euer Zentrum liegt, entscheidet ihr künftig einmal pro Quartal, und alles andere richtet sich danach.

Allianzen, die ihr Gebiet ohnehin nach Auslastung bewerten und Regionen abgeben, die niemand mehr befliegt, trifft das kaum. Wer dagegen weit verstreute Systeme hält, weil sie mal wichtig waren, bekommt eine Rechnung dafür, in Ladezeit, nicht in ISK.

Was jetzt zu tun ist, und was nicht

Nicht betroffen sind Stargates, Jump Portals und Filamente. Die funktionieren nach dem Entwurf unverändert. Wer den Umweg über normale Tore in Kauf nimmt, kommt weiterhin überall hin, nur langsamer und mit mehr Gate-Risiko. Das ist der Ausweichweg, den das Design bewusst offenlässt.

Ich würde jetzt genau eine Sache machen, und die kostet eine halbe Stunde: Zeichnet die Lichtjahr-Ringe um euer aktuelles Kapitalsystem und legt sie über die Systeme, in denen eure Leute abends tatsächlich sind. Nicht über die Systeme, die euch gehören, über die, die beflogen werden. Was so ein Abend wirklich verlangt, steht im Detail bei Leben im Nullsec. Wenn der Großteil eurer Aktivität in Zone 1 und 2 liegt, ändert dieses Update für euren Alltag wenig. Liegt euer Ratting-Schwerpunkt oder der Mining-Ring in Zone 4, habt ihr ein Thema für das nächste Leadership-Gespräch, und zwar vor September, nicht danach.

Was ich nicht tun würde: irgendein Ansiblex-Netz auf Basis dieser Zahlen umbauen. Das ist ein Entwurf, Fenris sammelt noch Feedback, und die Werte in der Tabelle sind ausdrücklich als änderbar markiert. Es gibt in EVE wenig Dümmeres, als Strukturen für eine Mechanik zu versetzen, die noch nicht existiert.

Wenn die Zahlen so bleiben, wird eines interessant: Ein Ansiblex, der leer ist, ist kein zerstörtes Tor, aber für die nächsten Stunden fühlt es sich für die Piloten davor genauso an. Wer das erste Mal mit einer Fleet vor einem Ansiblex steht, der nicht mehr kann, wird sehr schnell verstehen, warum das Kapitalsystem der Allianz plötzlich alle interessiert.