Fractured Skies erscheint am 10. November, und das Interessanteste daran ist an diesem Tag noch gar nicht spielbar. Die Conquests, Faction Warfare mit Endpunkt und Sieger, starten erst im Februar.
Bis dahin liefert Fenris, das frühere CCP, mit der zweiten Expansion der Theaters-of-War-Trilogie einen Stapel Einzelteile. Ein paar davon sind für Neue und Rückkehrer ab dem ersten Tag ein echter Gewinn. Für Aktive und Veteranen ist vieles vorerst eine Ankündigung mit Namen, aber ohne Werte. Wer am 10. November Schiffswerte, Rig-Boni oder Preise sucht, findet im Ankündigungstext keine einzige Kennzahl.
Neu im Spiel: das Beste an der Expansion kostet nichts
Fractured Skies bringt 13 kostenlose, vorgefittete AIR-Academy-Schiffe in den Starter Space, den Cradle of War eingeführt hat. Sie decken Kampf, Exploration und Mining ab. Kein Fitting-Wissen nötig, kein ISK im Risiko.
Für Einsteiger ist das die wichtigste Änderung der ganzen Expansion, und ich meine das ohne jede Ironie. Der klassische erste Monat in EVE besteht aus Schiffen, die falsch gefittet sind, und aus Verlusten, die man sich nicht leisten kann. Beides fällt im Starter Space weg.
Der Haken steht gleich dabei. Academy-Schiffe verlassen den Starter Space nicht. Wer eines mag, kauft die Standardversion samt Fitting auf dem Markt und fliegt die dann im restlichen New Eden. Meine Empfehlung: Flieg alle drei Richtungen, solange es nichts kostet, und steck erst danach ISK in die, die dir Spaß gemacht hat. Billiger war Berufsberatung in EVE nie.
Eine unbequeme Wahrheit gehört trotzdem dazu. Ein vorgefittetes Schiff löst das Fitting-Problem, nicht das eigentliche. Allein ist EVE nur das halbe Spiel, und wer nach dem Starter Space keinen Anschluss findet, hört auch mit dem schönsten Academy-Schiff wieder auf.
Dutzende der beliebtesten Level-1-Sicherheitsmissionen bekommen außerdem eine optische Überarbeitung und eine aufgeräumtere Übersicht. Nett. Wer Missionen vorher langweilig fand, findet sie jetzt hübscher langweilig.
Zurück nach der Pause: der AIR-Reset ist eine Checkliste
Das AIR Career Program zieht ins Achievement-System um, und dabei wird aller bisherige Fortschritt zurückgesetzt. Jeder kann es noch einmal abschließen, für Belohnungen und Achievements. Dazu kommen neue Achievements, die mehr Aktivitäten und Spielstile abdecken.
Für Rückkehrer ist das gut, und zwar aus einem Grund, der mit den Belohnungen wenig zu tun hat. Wer nach Jahren zurückkommt, weiß selten, was sich verändert hat. Eine Liste, die quer durch die Aktivitäten führt, ist ein geführter Wiedereinstieg, ohne dass man jemanden im Corp-Chat fragen muss.
Was Fenris nicht sagt: ob jemand, der seine Belohnungen schon abgeholt hat, sie beim zweiten Durchlauf voll noch einmal bekommt. Plan also kein ISK damit. Corps, die Neue oder Rückkehrer aufnehmen, bekommen dagegen eine fertige Einarbeitungsliste geschenkt, die sie nicht selbst pflegen müssen.
Das neue HUD: einschalten, aber nicht im Fleet
Die erste Phase des überarbeiteten HUD kommt im November über die Feature Preview. Schild, Panzerung und Hülle liegen klarer um den Capacitor, Energiegewinn und Energieverlust sind leichter abzulesen, Hitzeanzeigen sitzen neben den jeweiligen Modulreihen, und Geschwindigkeit und Utility-Funktionen sind neu sortiert. Fenris verspricht außerdem besseres Feedback bei Aktivierung und Zyklus der Module.
Das Entscheidende steht im Nebensatz. Das neue HUD bleibt auf absehbare Zeit optional. Niemand muss am 10. November umlernen. Ich würde es an einem ruhigen Abend beim Ratting einschalten und nicht beim ersten Fleet-Ping, denn ein Interface, das man noch sucht, kostet genau dann Sekunden, wenn sie zählen. Wo die Reihenfolge des Umbaus klemmt, haben wir beim letzten HUD-Update auseinandergenommen.
Aktiv in der Miliz: vier Battlecruiser ohne Datenblatt
Vier neue Schiffe, die ersten Navy-Attack-Battlecruiser überhaupt: Naga Navy Issue, Tornado Fleet Issue, Oracle Navy Issue und Talos Navy Issue. Es gibt sie ausschließlich in den LP-Stores von Factional Warfare.
Die Beschreibungen sind Prosa. Die Naga Navy Issue tauscht Hybridwaffen gegen Cruise Missiles und Torpedos, das ist die radikalste der vier Änderungen. Die Tornado Fleet Issue bekommt mehr Projektil-Feuerkraft und wird unter Microwarpdrive schwerer zu treffen. Die Oracle Navy Issue gewinnt optimale Reichweite, die Talos Navy Issue Mobilität und Falloff. Werte gibt es keine, in den aktuellen Spieldaten stehen die Schiffe noch nicht, und LP-Preis und Standing-Anforderung sind ebenfalls offen.
Daraus folgt eine einfache Entscheidung. Wer in der Miliz LP angespart hat, verbrennt sie bis zum 10. November nicht für Kleinkram. Wer nicht in FW fliegt, bekommt die Schiffe nur über die, die es tun, und sollte nicht damit rechnen, dass die ersten Exemplare billig sind. Für die Rechnung LP gegen Jita-Preis hat der Warzone Companion einen LP-Store-Optimizer. Schon Cradle of War war im Kern Fraktionskrieg, Fractured Skies zieht die Schraube weiter an.
Synchronizer-Rigs: Belohnung für teure Fittings
Neun Synchronizer-Sets, vier für die Imperien, fünf für Piratenfraktionen. Jedes Rig wird stärker mit jedem passenden Fraktionsmodul im Fitting. Die Piratensets bringen Boni, die kein bestehendes Rig bietet, dafür aber härtere Nachteile.
Die Mechanik verrät, für wen das gebaut ist. Wer bereits Fraktionsmodule fliegt, bekommt obendrauf noch einen Bonus. Wer mit T2-Doctrine-Fits unterwegs ist, hat davon erst einmal nichts. Namen, Werte, Slotgröße und Bezugsquelle der Rigs sind unbekannt.
Ich baue keine Fittings, ich kopiere sie von Leuten, die rechnen können. Hier warte ich, bis jemand mit echten Werten gerechnet hat, und genau das würde ich jedem raten, der jetzt schon Fraktionsmodule auf Vorrat kauft.
Kampagnen: die Vorarbeit für Januar
Zum Launch startet für jedes Imperium eine Flash-Militärkampagne mit vier Zielen aus Exploration, PvE, PvP und Industrie. Man sammelt fraktionsspezifische Items und gibt sie bei Händlern im Hauptquartier des gewählten Imperiums ab, dafür gibt es persönliche Belohnungen und Achievements. Jedes erledigte Ziel schaltet einen Bonus für das Imperium frei. Ab dem 5. Januar werden diese Boni in ausgewiesenen Fraktionssystemen aktiv. Die erste gegnerische Fraktion, die alle Ziele schafft, bekommt in der anschließenden Empire-Schlacht Verstärkung durch Command Carrier.
Das ist der zugänglichste Teil der Expansion, weil er Explorer und Industrielle mitzählt und nicht nur Leute mit PvP-Schiffen. Die ersten Kampagnen fand ich zum Start schwach ausbalanciert, und wie schnell Fenris darauf reagiert hat, rechne ich ihnen hoch an. Ein Urteil nach Tag eins ist also wertlos, nach der ersten Woche sieht man klarer.
Die Ergebnisse der ersten Kampagnenrunde gehen im November live: neue Stargates, geringere Steuern und Broker Fees und Phased Fields im Minmatar-Highsec. Welches Imperium was bekommt, verrät der Text nicht. Was ein einzelnes neues Gate im Fraktionskrieg verschieben kann, haben wir am Beispiel Ienakkamon und Renyn durchgespielt.
Später im Januar treffen die vier Imperien in Lowsec aufeinander, es geht um den Zugang zur Drifter-Technologie. Das siegreiche Imperium bekommt für begrenzte Zeit ein exklusives Drifter-Modul in seinem LP-Store. Tag, Ort und Regeln der Schlacht sind offen.
Vanguard: nicht blind kaufen
EVE Vanguard läuft ab dem 10. November rund um die Uhr als bezahlte Alpha. Zugang gibt es per Founder’s Access über den Launcher, den Preis hat Fenris nicht genannt. Im November kommen drei neue Karten: High Castle im Highsec, Vorago im Lowsec und The Vault im Nullsec, ein PvP-Labyrinth für drei Squads mit je drei Spielern. Dazu Weapon Telemetry für stärkere Waffenvarianten und die Gallente BR-60.
Für EVE-Spieler zählt die Verbindung zum Weltraum. Was Warclones in Contracts und Expeditions leisten, schaltet zusätzliche Kampf-, Hacking- und Mining-Sites im High- und Lowsec der vier Imperien frei. Betreten darf die jeder Capsuleer, auch um Items für die Militärkampagnen zu holen. Ab Februar zahlen Expeditions zusätzlich Conquest Power auf die gewählte Seite ein.
Mein Urteil bleibt wie bei Operation Avalon: Für EVE-Spieler zählt die Schicht in EVE selbst, nicht der Shooter. Die Sites bekommst du, ohne Vanguard zu kaufen. Kauf es nur, wenn du den Shooter spielen willst, und erst, wenn ein Preis dransteht. Wer ohne Preisschild bezahlt, gibt einen Vertrauensvorschuss.
Conquests: die eigentliche Wette
Im Februar geht die erste Conquest online. Das sind Fraktionskriege als Season, mit klarem Ende und einem Sieger. Wer sich verpflichtet hat, erfüllt Ziele, kämpft um die Directives seiner Fraktion und baut Conquest Power auf. Am Ende steht eine finale Belagerung, bei der beide Seiten ihre Conquest Engines hochfahren. Wer zuerst die Engine der anderen zerstört, gewinnt, und für die Sieger werden Monumente errichtet. Bis dahin hält ein von CONCORD vermittelter Pakt die Engines zurück, und im November soll Story-Content über mehrere Wochen die Spannung aufbauen.
Hier liegt der Grund, Fractured Skies ernst zu nehmen. Faction Warfare hatte bisher kein Ende, nur Wellenbewegungen. Ein Krieg mit Endpunkt und Sieger gibt Milizen etwas, worauf sie hinarbeiten, und Spielern einen Grund zu bleiben statt nur LP zu farmen.
Ehrlich gesagt ist das bisher alles Ankündigung. Ein Entwickler schreibt selbst, manche Dinge bräuchten etwas mehr Zeit zum Garen. Den Tag im Februar und die Länge einer Season nennt Fenris nicht. Für Nullsec-Corps ist das bis dahin ein Beobachtungsposten, denn der Fraktionskrieg spielt in Lowsec. Spannend wird es, sobald ein Termin für eine finale Belagerung feststeht, denn ein Kampf mit festem Datum ist in EVE eine Einladung an jeden, der gern der Dritte ist. Ob die Conquests tragen, entscheidet sich an der ersten Season und nicht am 10. November.