DISCORD
/// EVE Online Corp finden: Woran du erkennst, ob sie dich trägt

Gute Nullsec-Corp erkennen: Was du nach dem Beitritt nicht mehr abwählen kannst

Frag nicht, wie groß sie ist. Frag, in welcher Allianz sie sitzt und ob die eigenes Gebiet hält.

Vision, erreichbare Führung, ein Spielstil, der zu deinem passt: Diese Punkte fürs Corp finden gelten im Nullsec unverändert weiter. Sie reichen nur nicht mehr aus. Vier Dinge bestimmen dort deinen Abend, und über keines davon entscheidet die Corp, bei der du dich bewirbst: ob es überhaupt eigenes Gebiet gibt, wer blau ist, wer an welchen Mond darf und wer deine Verluste bezahlt.

Alle vier erbst du am Tag der Aufnahme mit. Danach kannst du sie nicht mehr abwählen, sondern nur noch weglaufen.

Deine Corp hält gar kein Gebiet

Sovereignty liegt strukturell auf Allianz-Ebene. Eine Allianz setzt sich aus mehreren Mitglieds-Corporations zusammen, und nur in diesem Verbund lässt sich ein System halten und gegen andere Allianzen verteidigen. Eine einzelne Corp kann das nicht, unabhängig davon, wie viele Leute in ihrer Mitgliederliste stehen.

„Nullsec-Corp“ in einer Anzeige sagt deshalb erst einmal nichts. Es kann bedeuten, dass du in einem gehaltenen Sov-Gebiet landest. Es kann genauso gut heißen, dass die Corp in NPC-Nullsec sitzt oder als Gast im Gebiet von jemand anderem. Drei völlig verschiedene Leben, eine Formulierung.

Über den Rahmen, in dem du dich dann bewegst, entscheidet die Allianz. Jede hat eine Executor-Corporation, die die Verwaltung übernimmt und dafür die Unterstützung von mindestens der Hälfte aller Mitglieds-CEOs braucht. Der Rest führt aus. Das Modell funktioniert, es beantwortet nur nebenbei eine Frage, die kaum ein Bewerber stellt: wie viel Einfluss dein künftiger CEO tatsächlich hat. Eine Stimme unter vielen, solange seine Corp nicht selbst Executor ist. Frag deshalb weiter, wenn die Sov-Frage geklärt ist: Wie platziert die Corp ihre Anliegen dort oben, und wann hat das zuletzt geklappt?

Wie teuer das Halten eines Systems im Alltag wird, an Upgrades, Reagents und Frachtfahrten, entscheidet sich am Sovereignty Hub, eine Ebene über der Corp, in die du eintrittst.

Die Feinde bringst du am ersten Tag mit

Standings lassen sich für eine Corp und für eine Allianz getrennt setzen, und die Allianz-Standings kann ausschließlich die Executor-Corporation ändern. Praktisch heißt das: Die Blue-Liste der Allianz gilt für dich ab der ersten Minute, samt allem, was nicht darauf steht. Deine Corp hatte damit nichts zu tun und kann daran nichts ändern.

Im Highsec kommt Ärger mit Ansage. Eine Kriegserklärung hat einen Absender, eine Wochenrechnung und ein Ende. Im Nullsec übernimmst du stattdessen einen Konfliktstand, der schon lief, bevor du deine Bewerbung geschrieben hast, und der nach demselben Muster weiterläuft, wenn du wieder weg bist.

Rausdrehen kannst du dich daraus nicht. Ein Charakter gehört immer nur einer Allianz an, und um in eine andere zu wechseln, müsste deine Corp zuerst die bestehende Mitgliedschaft kündigen. Diese Entscheidung trifft dein CEO, nicht du. Dir bleibt der Corp-Wechsel, mit allem, was du bis dahin ins Gebiet gefahren hast.

„Wart ihr im Krieg“ ist hier die falsche Frage

In Nullsec-Systemen reagiert CONCORD nicht, und Gate-Guns, die an Gates oder Stationen zurückschießen, gibt es ebenfalls nicht. Feindliche Aktivität braucht dort keine formale Erklärung und keinen Anlass. Eine Kriegshistorie sagt entsprechend wenig aus; interessant ist die Reaktionszeit.

Die brauchbare Version der Frage lautet deshalb: Was passiert zwischen einer Meldung im Intel und zehn Leuten im Warp? Wer darauf mit „wir pingen dann“ antwortet, hat die Hälfte gesagt. Hak nach, wer pingt, wenn der eine, der immer pingt, im Urlaub ist. Und was zwischen zwei und sechs Uhr morgens passiert, wenn deine Zeitzone gerade die dünnste im Gebiet ist.

Drei Dinge kannst du im Aufnahmegespräch konkret abfragen, ohne dass jemand Interna preisgeben müsste: ob eine Standing Fleet dauerhaft offen steht, wie du an den Intel-Zugang kommst, und wann die Prime Time der Allianz liegt. Antworten darauf bekommt jedes Mitglied ohnehin am ersten Tag. Wenn sie im Gespräch niemand geben kann, ist das die Auskunft.

Wer an welchen Mond darf, hat vorher jemand entschieden

Moon Mining ist mechanisch unspektakulär und organisatorisch der ehrlichste Test für eine Nullsec-Corp. Eine Extraktion starten kann jeder Charakter mit Kontrollzugriff auf die Refinery. Einen laufenden Zyklus abbrechen dürfen nur CEO, Directors oder wer die Rolle Station Manager in der besitzenden Corp trägt. Die Zykluslänge ist beim Setzen frei wählbar, irgendwo zwischen 6 und 56 Tagen.

Der interessante Teil kommt danach. Bleibt der Chunk nach Ende der Extraktion drei Stunden lang unangetastet, schießt der Moon Drill selbst darauf. Ein Mond ist damit kein passives Einkommen, sondern ein Termin, zu dem Leute mit Schiffen erscheinen müssen. Wer dir erzählt, seine Corp habe „Zugang zu Monden“, hat noch nichts darüber gesagt, ob dort jemals jemand pünktlich auftaucht.

Wie der Ertrag zwischen Allianz und Corp aufgeteilt wird, gibt das Spiel nicht vor. Das ist reine Organisation, und Allianzen lösen es unterschiedlich. Ein Modell von vielen, damit die Bandbreite klar wird: In dem Gebiet, in dem ich sitze, laufen die R64-Monde auf Allianz-Ebene, Member dürfen dort unter Auflagen minen, und Corps können sich über Flottenbeteiligung eigene R16- und R32-Monde verdienen, ohne weitere Abgaben nach oben. Andere Allianzen regeln das völlig anders, zentraler oder loser. Keine dieser Varianten ist „so ist Nullsec“.

Deine Frage lautet also nicht, ob es Monde gibt, sondern: Wie kommt meine Corp an einen, und was schuldet sie dafür der Allianz? Wer das nicht in zwei Sätzen beantworten kann, hat entweder keinen Zugang oder keine Regel. Beides solltest du vorher wissen.

Am Ersatzantrag siehst du, wie die Corp arbeitet

Ship Replacement Programs sind bei größeren Nullsec-Allianzen verbreitet, und die Kasse dafür steht eine Ebene über deiner Corp: Ersetzt wird, was bei einer angesetzten Allianz-Operation stirbt. Diese Zweistufigkeit gehört zum Betrieb im Nullsec und gilt für jede Corp im Gebiet gleich. Verschieden ist nur der Weg dorthin, und der führt durch deine Corp.

Frag deshalb, wer den Antrag überhaupt stellt. Reichst du deinen Verlust selbst ein, brauchst du früh Zugang zum Auth-System der Allianz und jemanden, der dir zeigt, welche Angaben dazugehören. Sammelt ein Director die Verluste und gibt sie gebündelt nach oben, hängt dein Geld an der Verfügbarkeit eines einzelnen Menschen. Beide Varianten laufen. Auffällig wird es, wenn im Gespräch niemand sagen kann, welche davon gerade gilt: dann hat länger niemand einen Antrag gestellt.

Die nächste Frage kostet noch weniger. Wann hat aus dieser Corp zuletzt jemand tatsächlich Ersatz bekommen, und wie lange lag der Antrag, bis das Geld kam? Wer den letzten Fall aus dem Kopf erzählen kann, beschreibt einen laufenden Betrieb. Wer stattdessen die SRP-Regeln der Allianz aufsagt, beschreibt eine Broschüre.

Am schwersten wiegt, was bei Verlusten außerhalb der offiziellen Ops passiert. Dort findet der Großteil deiner Abende statt: Ratting im Heimatsystem, ein Roam zu dritt, das Camp am Gate auf dem Rückweg. Was deine Corp in diesen Fällen aus eigener Tasche ersetzt, ist Kulanz und keine Zusage — viele zahlen dafür gar nichts, und das ist eine saubere Antwort, solange sie im Gespräch ausgesprochen wird. „Das regeln wir intern“ ohne Regel dahinter heißt: es gibt keine. Merken wirst du es an dem Abend, an dem der Ersatz ausbleibt, je nach Schiff im Gegenwert mehrerer Abende.

Diese Fragen kosten dich ein Gespräch von zwanzig Minuten, geführt, bevor die Bewerbung rausgeht. Sie zu überspringen kostet im schlechtesten Fall den kompletten Umzug zurück, inklusive allem, was du in der Zwischenzeit ins Gebiet gefahren hast. Und wenn du auf diese vier Punkte — Sov-Lage, Blue-Liste, Mond-Zugang, Ersatz — eine klare Antwort bekommst, weißt du über diese Corp mehr als aus jedem Killboard.