Sechs ist der Deckel. Höher als ein sechsfacher Activity Defense Multiplier kommt kein System, und in jeder zweiten Sov-Besprechung wird diese Zahl behandelt, als wäre sie das Ziel des ganzen Sov-Betriebs. Sie ist ein Nebenprodukt.
Entschieden wird über eine Reihenfolge. Ein Sovereignty Hub trägt Upgrades, jedes davon zieht laufend Ressourcen, und keine Allianz hat genug davon, um überall alles zu bauen. Die eigentliche Frage lautet deshalb: welches Upgrade zuerst, in welchem System, auf wessen Kosten. Meine Antwort ist unbequem für jeden, der abends in genau diesem System rattet. Erst kommt, was dem gesamten gehaltenen Gebiet nützt. Danach das, was den Ertrag eines einzelnen Systems hebt.
Warum die Jump-Bridge vor deinem Ratting-Upgrade kommt
Die Upgrades sind offiziell in drei Kategorien sortiert: Strategic, Industrial, Military. Industrial dreht an Mining-Vorteilen und Ressourcen im System, Military an Verteidigungsfähigkeit und Kampfvorteilen. Beides sind Stellschrauben an einem Betrieb, den es schon gibt.
Strategic ist eine andere Sorte. Diese Upgrades schalten Fähigkeiten frei, die im System sonst schlicht nicht existieren, jeweils über ein Service-Modul an einer zugehörigen Struktur:
- Advanced Logistics Network aktiviert den Standup Conduit Generator an einem Ansiblex Jump Gate. Ohne das Upgrade ist die Jump-Bridge ein teures Denkmal im Orbit.
- Cynosural Suppression aktiviert den Standup Cynosural System Jammer an einem Tenebrex Cyno Jammer und sperrt das System gegen gegnerische Cyno-Zündungen.
- Supercapital Construction Facilities schaltet die Standup Supercapital Shipyards an einer Sotiyo frei. Ohne dieses Upgrade entsteht im System kein einziges Supercapital.
Genau daraus ergibt sich die Reihenfolge. Ein Ratting-Upgrade in einem System ohne Anbindung produziert ISK, die anschließend jemand einzeln durch Gates fährt. Ein Grenzsystem ohne Cyno-Sperre ist ein Ort, an dem die Gegenseite ihre Kapitalschiffe neben deine Anomalie stellt, während du noch überlegst, ob der Name im Local relevant ist.
Für das einzelne Mitglied fühlt sich diese Reihenfolge nach falscher Priorität an, weil ausgerechnet das Upgrade hinten steht, das seinen Abend besser macht. Der Einwand ist nachvollziehbar und trotzdem falsch. Ertrag lässt sich verschieben, notfalls in ein Nachbarsystem. Anbindung klebt am Ort.
Was ein Upgrade jeden Tag kostet
Den IHub als eigene Struktur gibt es seit Juni 2024 nicht mehr, die ISK-Rechnung dazu seit Ende 2024 auch nicht. Am 11. Juni 2024 kamen mit Equinox alle bestehenden Infrastructure Hubs automatisch als Sovereignty Hubs im Legacy-IHub-Modus heraus, dort liefen die alten ISK-Rechnungen zunächst weiter. Ab dem 20. Juni durften Direktoren der besitzenden Corp freiwillig und unwiderruflich in den neuen Sov-Hub-Modus wechseln, der keine ISK-Wartung kennt. Mit der Revenant-Expansion am 12. November 2024 lief das Fenster ab, und jeder Hub, der bis dahin im Legacy-Modus hing, wurde zwangsumgestellt. Seither kostet kein Sovereignty Hub und kein Upgrade daran noch ISK-Wartung. Wer in der Corp-Kalkulation weiter einen Posten dafür führt, streicht ihn.
Bezahlt wird in drei Colony Resources: Power, Workforce und Reagents. Jedes Upgrade zieht Power und Workforce, ohne Ausnahme. Reagents brauchen nur einige davon, vor allem die Strategic Upgrades. Die drei verhalten sich logistisch völlig verschieden. Workforce ist die bequemste, sie lässt sich am Hub pro System auf Import, Export oder Transit stellen. Power ist rein lokal und wandert nicht zwischen Systemen, jedes System deckt seinen Bedarf selbst. Reagents haben keinen Autopiloten, die fährt jemand.
Bei den interessanten Upgrades wird das noch konkreter. Magmatic Gas von Lavaplaneten treibt unter anderem Cynosural Navigation für das Pharolux Cyno Beacon und die eben genannte Cyno-Sperre. Superionic Ice von Eisplaneten treibt Advanced Logistics Network und die Supercapital-Werft. Beides entsteht passiv an den Orbital Skyhooks, die im Nullsec-Alltag ohnehin über dem Planeten hängen, und muss von dort per Hand in den Sovereignty Hub gebracht werden.
Mit jedem Upgrade entscheidet ihr damit auch über Planetentypen und Frachtrouten. Ein System ohne Eisplanet kann ein Ansiblex-Upgrade tragen, sicher. Das Superionic Ice dafür kommt dann aus einem anderen System, in einem Frachter, gefahren von jemandem, der dafür Abende hergibt. Reißt diese Versorgung ab, geht das Upgrade offline; die Struktur steht weiter da und tut nichts. Bevor ich irgendwo etwas installiere, würde ich deshalb vier Punkte durchgehen: welcher Skyhook liefert, wie viele Sprünge dazwischen liegen, wer die Route fährt, und wer sie fährt, wenn derjenige drei Wochen im Urlaub ist.
Zwei von drei Indizes sind Anwesenheitslisten
Der ADM rechnet sich denkbar simpel: 1 plus die Summe der drei Index-Stufen, gedeckelt bei 6. Der oft zitierte sechsfache Zeitmultiplikator steht am Ende dieser Rechnung, mehr steckt dahinter nicht.
Interessant wird es beim Aufbau der Indizes, weil er ungleich verteilt ist:
- Military Index steigt proportional zur Zahl der im System getöteten NPC-Schiffe.
- Industry Index steigt proportional zum geförderten Erzvolumen.
- Strategic Index steigt einfach so, solange die Allianz die Kontrolle über den Hub ununterbrochen hält.
Zwei der drei Indizes brauchen also Piloten, der dritte braucht nur Ruhe. Der Sockel eines unbehelligten Systems baut sich von allein auf, alles darüber ist eine Anwesenheitsstatistik mit anderem Namen. Das ist der Grund, warum die übliche Reaktion auf einen absackenden ADM, gezielt Aktivität nachschieben, nur dort greift, wo es überhaupt jemanden zum Nachschieben gibt. Und weil die Indizes täglich neu verrechnet werden, kippt der mühsam hochgezogene Wert wieder nach unten, sobald die Ratting-Fleet ein paar Abende ausfällt.
Der eine Klick, der nicht bei deiner Corp liegt
Beim Verwundbarkeitsfenster einer Sovereignty-Struktur setzt die Allianz einen einzigen Zeitpunkt. Von dort wächst das Fenster symmetrisch in beide Richtungen: Vier-Stunden-Fenster mit Prime Time 16:00 heißt offen von 14:00 bis 18:00. Wie lang das Fenster an einem konkreten Tag ist, hängt am ADM und verschiebt sich mit den täglichen Index-Schwankungen. Der Mittelpunkt bleibt stehen, wo er gesetzt wurde.
Und wenn ihn niemand setzt, liegt er auf 11:00 EVE-Zeit. Downtime. Eine Allianz, die diesen Wert nie anfasst, verteidigt ihre Strukturen also zu einer Uhrzeit, zu der ihre Leute schlafen oder arbeiten. Ändern darf das ausschließlich die Executor-Corporation, und dort nur jemand mit Director-Rolle.
Die Abwägung dahinter ist echt. Ein Fenster auf der eigenen Hauptspielzeit bringt maximale Verteidigungsbereitschaft und macht dich maximal berechenbar für Angreifer aus einer anderen Zeitzone. Ein Fenster daneben nimmt dir die Vorhersehbarkeit und gleich mit die Fähigkeit, rechtzeitig da zu sein. Ich würde trotzdem immer auf die eigene Prime Time zentrieren. Berechenbarkeit ist der billigere Nachteil: Ein Angreifer, der weiß, wann er kommen muss, kämpft gegen deine volle Verteidigung. Ein Fenster, das niemand von euch wach erlebt, kämpft gar nicht.
Diesen Wert legt die Executor-Corp fest, eure Corp erfährt ihn. Er kommt aus einer Ebene über euch, zusammen mit allem anderen, was der Umzug ins Nullsec an Sov-Struktur mitbringt. Wer das nicht klärt, bevor er in die Allianz einsteigt, erfährt es beim ersten Timer.
Was ein verlorener Hub löscht
Fällt der Sovereignty Hub, sind alle installierten Upgrades weg und die Sovereignty über das System dazu. Der Hub kippt in den neutralen Besitz der SCC zurück und lässt sich von jeder Allianz per Entosis-Link neu beanspruchen, auch von der, die ihn gerade verloren hat.
Wer ihn zurückholt, bekommt ein leeres System. Der Ausbaustand ist gelöscht, jede Ressourcenkette, die vorher lief, fängt von vorn an, inklusive der Abende, die vorher darin steckten. Jedes tief ausgebaute System ist damit eine Wette auf die eigene Haltedauer.
Genau deshalb bekommt ein Randsystem, in dem abends zwei Leute ratten, von mir keinen tiefen Ausbau. Die beiden verdienen ihr System, ihre Anwesenheit schützt nur eben keinen Hub, und im Verlustfall ist alles Investierte vollständig abgeschrieben. Fragt euch vor dem nächsten Upgrade in einem Grenzsystem also zuerst: Wie lange haltet ihr diesen Ort realistisch, und wie sieht die Rechnung aus, wenn die ehrliche Antwort ein halbes Jahr lautet?
Was ich zuerst bauen würde
In einem frisch übernommenen Gebiet in dieser Reihenfolge: die Vulnerability-Zeit setzen, bevor irgendetwas gebaut wird, denn sie kostet nichts außer einem Klick. Dann die Anbindung, also Advanced Logistics Network dort, wo der Verkehr durchläuft. Dann die Cyno-Sperre an der Kante zum Nachbarn, der euch nicht mag. Erst danach Industrial und Military, und zwar in den Systemen, in denen abends tatsächlich Leute sitzen. Fairness ist bei dieser Verteilung ein schlechter Schlüssel. Eine Supercapital-Werft geht an genau einen Ort, den ihr im Ernstfall auch wirklich verteidigt.
Falls du in einer Corp sitzt, die solche Entscheidungen zugewiesen bekommt: Frag trotzdem, warum euer System bekommt, was es bekommt. Die Antwort verrät dir, ob über euch ein Plan liegt oder nur eine Einkaufsliste. Genau dieser Unterschied ist eines der verlässlichsten Signale für eine gute Nullsec-Corp.