DISCORD
/// EVE Online Corp finden: Woran du erkennst, ob sie dich trägt

Corp gründen oder beitreten: Warum Gründen für die meisten der falsche erste Schritt ist

CEO wirst du an einem Abend. Corporation Management auf Stufe 1, an einer Station andocken, Einrichtungsgebühr 1.599.800 ISK. Zwanzig Minuten Aufwand, dann steht dein Name im CEO-Feld.

Der Rest der Rechnung kommt später, und der Rest ist der teure Teil. Die Begründungen, die man hört, haben mit Betrieb ohnehin selten zu tun: sich nirgends bewerben müssen, sich von niemandem reinreden lassen. Beides liefert die Gebühr zuverlässig. Eine Gruppe liefert sie nicht.

Meine Empfehlung fällt entsprechend unbequem aus: Gründe erst, wenn die Gruppe schon existiert. Vier oder fünf Leute, die ohnehin an denselben Abenden online sind, und ein Satz, der erklärt, wozu ihr zusammen fliegt. Fehlt eines von beidem, spar dir die Gebühr und bewirb dich. Eine Corp baut man um eine bestehende Gruppe herum. Sie erzeugt keine.

Die Gründungsgebühr ist der billigste Posten des Jahres

1,6 Millionen klingen nach einer Hürde, sind aber ein Abend Ratting. Die Kosten, die zählen, fangen danach an. Sobald eure Corp irgendetwas lagert oder baut, braucht sie ein Office in einer Station. Mindestmiete 10.000 ISK, nach oben ist nichts gedeckelt. Der Preis wird täglich zur Downtime neu ausgerechnet, anhand der freien Büros an dieser Station: kein Büro frei, plus 5 Prozent auf die Monatsmiete; genau eines frei, Preis bleibt; ab zwei freien Büros geht es abwärts, gestaffelt. In den großen Handels-Hubs landet man damit bei mehreren hundert Millionen ISK im Monat. Für ein Regal.

Abgerechnet wird in 30-Tage-Zyklen. Die erste Zahlung geht sofort raus, die Rechnung für den zweiten Zyklus kommt direkt hinterher und muss beglichen sein, bevor der erste endet. Wer sie verpasst, verliert das Office samt allem, was darin steht. Das ist kein lautes Ereignis. Es passiert, während gerade niemand hinschaut.

Der Beitritt zu einer bestehenden Corp kostet dagegen nichts. Die Bewerbung ist gratis, das Office steht, die Miete zahlt jemand anders, und nach drei Wochen Abwesenheit sind deine Sachen immer noch da.

Steuer ist ein Hebel, kein Einkommen

In einer Spielercorp setzt der CEO den Satz frei zwischen 0 und 100 Prozent, NPC-Startcorps stehen fest auf 11. Das ist der am häufigsten genannte Grund für eine eigene Gründung und der am schnellsten überschätzte. Ein Steuersatz trägt genau so weit, wie ihm echte Kosten gegenüberstehen. Sammelst du Geld ohne Verwendungszweck, merken die Mitglieder das schneller, als dir lieb ist.

Fürs Sortieren gibt das Spiel dir sieben Wallet-Divisionen, die Master Wallet plus sechs, die du benennen kannst, wie du willst. Miete hier, Fuel dort, ein Topf für Ersatzschiffe daneben. Das alles existiert in einer bestehenden Corp längst: eingerichtet, benannt, mit Zugriffsregeln versehen, von jemandem, der irgendwann einen Abend dafür investiert hat. Beim Beitritt bekommst du es kommentarlos mitgeliefert.

Am Gründungstag wechselst du die Seite

Das Rollensystem unterhalb des CEO ist der Grund, warum sich Verwaltungsarbeit überhaupt portionieren lässt; wie es aufgebaut ist, gehört zu den Dingen, die man prüft, wenn man noch eine Corp finden will, statt selbst eine zu gründen. Für dich als Gründer bleibt davon ein Satz übrig.

Arbeit lässt sich verteilen. Verantwortung nicht.

Die Punkte, an denen ein Bewerber eine Corp abklopft — ein erkennbarer Existenzgrund, eine Führung, die man tatsächlich erreicht, ein Spielstil, der zur Mehrheit passt — stehen ab jetzt auf deiner Seite des Tisches. Du bist derjenige, der um halb elf noch antwortet. Der eine Antwort darauf haben muss, wozu es die Corp gibt, und zwar dieselbe, die auch zwei deiner Mitglieder unabhängig voneinander geben würden.

Recruitment unterschätzen Gründer am zuverlässigsten. Char-Alter, Corp-Historie und ein Blick aufs Killboard sind schnell gemacht. Das Gespräch danach ist der Teil, der Zeit frisst, und ein Teil der Leute bleibt trotzdem nicht. Eine formale Probezeit braucht es dafür nicht, in den ersten Wochen zeigt sich von selbst, wer sich einbringt und wer nur für sich fliegt. Sehen muss es allerdings jemand. Das bist du.

Wenn du gerade in einer Spielercorp sitzt und dort Rollen hältst, geht das ohnehin nicht spontan: Rollen ablegen, danach 24 Stunden Sperrfrist. Als amtierender CEO trittst du erst zurück, dann läuft dieselbe Frist. Eine Nacht Bedenkzeit, eingebaut. Vermutlich hätte sie schon einigen Corps geholfen.

Intel und SRP gründest du nicht mit

Eine einzelne Corp ist für einen eigenen Intel-Channel zu klein und zu lokal. Neuts und Reds werden auf Allianz- oder Coalition-Ebene gemeldet, für das gesamte gehaltene Gebiet, und auch der Zugang zum Intel-Channel wird auf Allianz-Ebene geregelt. Ersatz für Schiffe, die in angesetzten Allianz-Flotten sterben, zahlt ebenfalls die Allianz. Die Corp reicht den Verlust nur weiter. Corp-eigenes SRP gibt es allenfalls für interne Roams, und auch das nur, wenn die Kasse es hergibt.

Für eine Neugründung heißt das: Was Nullsec überhaupt spielbar macht, gründest du nicht mit. Du verhandelst es. Sov-Gebiet, Blue-Liste, Mond-Zugang, Ersatz, also genau die Punkte, an denen eine Nullsec-Corp hängt, liegen sämtlich eine Ebene über ihr. Als Mitglied bekommst du sie am Tag der Aufnahme mitgereicht. Als frischer CEO musst du eine Allianz finden, die dich aufnimmt, und Allianzen nehmen Corps, die etwas mitbringen: Leute in der richtigen Zeitzone, verlässliche Flottenbeteiligung, eine Fähigkeit, die im Gebiet fehlt. Mit sechs Piloten und einer Woche Betriebshistorie wird das ein zähes Gespräch.

Ein Customs Office reicht, um Ziel zu werden

Solange die Corp keine Struktur besitzt, kann ihr niemand regulär den Krieg erklären. Mit der ersten eigenen kippt das, und ein Customs Office genügt dafür. Was ein Krieg den Angreifer kostet und warum den kaum jemand aus Laune anfängt, steht dort, wo man eine fremde Corp auf ihren Kriegsstand prüft — als Bewerber erbst du diese Rechnung, als Gründer stellst du sie selbst auf.

Und sie wird nicht mit ISK bezahlt, sondern mit Leuten und Reaktionszeit. Angreifer suchen den Laden, bei dem sich der Aufwand lohnt: ein Raitaru mit laufenden Jobs, oder eine Corp, von der man annimmt, dass sie lieber Ruhe kauft als zurückschießt. Diesen Eindruck gar nicht erst entstehen zu lassen, ist Routinearbeit. In einer eingespielten Corp macht das jemand, der es zum dritten Mal macht. In deiner machst du es zum ersten und erfährst dabei, wie viele deiner sechs Piloten abends wirklich einloggen, wenn tatsächlich jemand vor eurer Struktur steht.

Wann ich trotzdem gründen würde

Die Gruppe existiert schon. Ihr fliegt seit Monaten zusammen, wollt Hangar und Kasse teilen und niemanden rekrutieren, weil ihr vollzählig seid. Dann ist die Gründung Formsache, die 1,6 Millionen sind gut angelegt, und die Miete teilt sich auf mehrere Schultern.

Oder die Corp hat einen Zweck statt einer Community: Industrie, Logistik, ein paar Leute, die wissen, was sie bauen und wohin sie es fahren. Hier zählen geteilte Hangar-Divisionen und eine saubere Kasse mehr als Corp-Chat, und der Verwaltungsaufwand steht im Verhältnis zum Ertrag.

Oder du machst die Arbeit wirklich gern. Rollen sauber vergeben, Rechnungen im Blick behalten, Bewerber ansprechen, ein Ohr im Chat haben. Diese Sorte Mensch ist selten und in jeder Allianz gesucht — und ehrlicherweise auch der einzige Fall, in dem Gründen aus dem Stand funktioniert, weil dann die Verwaltung nicht der Preis ist, sondern der Inhalt.

Nicht tragen dagegen drei Motive, die man ständig hört. Gründen als Fluchtweg aus einer Corp, die nicht passt: dafür gibt es den Wechsel, und der kostet nichts. Gründen, um sich das Bewerbungsgespräch zu ersparen: du führst danach jede Woche eines, nur von der anderen Seite. Und Gründen, um schneller zu lernen: Der erste eigene Monat als CEO lehrt dich Rollenvergabe und Bürorechnungen, aber wie eine Flotte funktioniert, zeigt dir niemand, wenn keine Flotte da ist.

Drei Abende, bevor du zahlst

Bevor du die Gebühr überweist, mach einen Test, der nichts kostet. Organisier in deiner jetzigen Corp drei Abende. Ohne Titel, ohne Ankündigung: Ping selbst schreiben, Uhrzeit setzen, eine Viertelstunde vorher da sein und die Sache auch durchziehen, wenn nur zwei Leute auftauchen. Dann dasselbe noch zweimal.

Wer am dritten Abend erscheint, ist die Corp, die du gründen würdest. Erscheint niemand, hätte der CEO-Titel daran nichts geändert. Er hätte dir nur eine Büromiete dazugelegt.